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(von Hermann Müller, zusammengestellt 1983)
Ältere Ausführungen zum Thema sind zwei in den Kriegsdorfer
Pfarrbriefen veröffentlichte Chroniken, eine Examensarbeit
(1968, H.D. Blum) die Festschrift 1958 (Dr. Müller) und
ein längerer Beitrag in dem Buch A. Schulte, Kirchen
und Schulen der Gemeinde Sieglar, 1968
Mehr als 1000 Jahre lang sind die Kriegsdorfer Christen, einem alten
Kirchengebot gehorchend und vom Sendgericht dazu angehalten, an
Sonn- und Feiertagen zum Gottesdienst ihres Pfarrers nach Sieglar
gegangen. Im Dorf blieben dann nur die Kinder, Alte und Kranke zurück.
Das brachte aber Probleme mit sich, wenn man nur an die mit Stroh
gedeckten Fachwerkhäuser und an das Vieh in den Ställen
denkt, von Landstreichern, Dieben und Räuberbanden ganz zu
schweigen. Die kleine Lösung fand sich 1725, als in Sieglar
eine Vikarie eingerichtet wurde, für die man Land und Geld
stiftete. Die Dörfer Sieglar, Eschmar und Kriegsdorf hatten
durch den Vikar einen zweiten Geistlichen und damit eine Frühmesse
und die Möglichkeit, nicht am Hauptgottesdienst teilnehmen
zu müssen. Die große Lösung für Kriegsdorf,
in Kriegsdorf eine Kirche zu bauen und einen eigenen Geistlichen
zu haben und schließlich eine eigene Pfarrei Kriegsdorf zu
werden, tauchte zu Beginn dieses Jahrhunderts als Plan auf, wurde
bei den Kriegsdorfern dann allgemein begrüßt und sogleich
mit einer bestaunenswerten Energie und Zielstrebigkeit in die Tat
umgesetzt. Die Kriegsdorfer bauten 1908 ihre Kapelle, hatten von
1921 bis 1974 einen eigenen Geistlichen, nur nicht den Titel einer
Pfarrei.
Die Vorbereitungen
Seit 1902 war in Sieglar der Priester Robert Paas als Pfarrer tätig.
Von 1901 bis 1904 hat man in Sieglar die Pfarrkirche für rund
75.000 Mark umgebaut und vergrößert. Die Oberlarer bereiteten
sich seit 1899 darauf vor, eine eigene Kirche zu bauen.
Als dann etwa 1907 die Kriegsdorfer ihrem Herrn Pastor in Sieglar
den Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus vortrugen, lehnte Pfarrer
Paas dies entschieden ab. Damit hätte man in Kriegsdorf normalerweise
die Angelegenheit zu den Akten legen müssen. Aber die Kriegsdorfer
gaben so leicht nicht auf, und sie fanden in Bürgermeister
Lindlau und dem Geistlichen von Uckendorf, dem Rektor Lenaerts,
zwei tatkräftige Fürsprecher und Verbündete. Johann
Lindlau war seit dem Juni 1906 Bürgermeister in der Bürgermeisterei
Sieglar; sein erstes Großprojekt, der Bau der Kleinbahn Siegburg-Zündorf,
führte 1908 die Straßenbahn durch vier der fünf
Orte seiner Bürgermeisterei, nur nicht durch die Gemeinde Kriegsdorf.
Die Uckendorfer gehörten zur Pfarrei Rheidt und hatten sich
im Ort eine eigene Kirche gebaut. Die Kriegsdorfer Familie Gehlen
sorgte im Jahre 1777 durch eine Stiftung dafür, daß Uckendorf
immer einen eigenen Geistlichen hatte. Von der Familie Gehlen war
damals Rektor Lenaerts in dieses Amt berufen worden. Man entwickelte
in Kriegsdorf folgende Taktik - wobei man vermuten darf, daß
Lindlau dahinter steckte-: Die Kriegsdorfer bauen sich, was ja nicht
verboten ist, privat und auf eigene Rechnung ein Gotteshaus; die
kirchlichen Genehmigungen holt man sich beim Generalvikariat in
Cöln oder, wenn es sein muß, bei Seiner Eminenz,
dem Herrn Kardinal-Erzbischof in Köln, höchstpersönlich.
Aus Köln gehen dann die Anweisungen an den Dechanten Otten
in Bergheim, und dieser informiert schließlich den Herrn Pfarrer
Paas in Sieglar. Der erste wichtige Schritt wurde Anfang 1907 getan,
als man einen Trägerverein gründete. In einer Chronik
steht:
Am 27. Februar 1907 wurde in Kriegsdorf im Lokale Johann Josef
Henseler unter dem Vorsitz des Herrn Bürgermeisters Lindlau
der Kapellenbauverein gegründet. Man hat sofort eine
Satzung beraten und angenommen. Ziel des Vereins war die Errichtung
und Unterhaltung eines katholischen Gotteshauses in Kriegsdorf.
In den Vorstand gewählt wurden Matthias Engels-Liers (Vorsitzender)
Fritz Engels (Schriftführer) Peter Jos. Zimmermann (Kassierer)
und Ludwig Engels; später kamen noch Johann Kurth und Peter
Josef Heiden als Beisitzer hinzu. Bürgermeister Lindlau war
zuerst Ehrenmitglied, vom Juli 1907 an Vorsitzender und später
Ehrenvorsitzender. Mitglieder wurden die Vertreter aller Kriegsdorfer
Familien, sie verpflichteten sich, einen bestimmten Monatsbeitrag
zu zahlen (0,50 M bis 7,00 M) und einmalig einen größeren
Betrag, bis zu 400 Mark, zu spenden. Als Spender war jeder willkommen,
ob früherer Kriegsdorfer oder Sparkasse Sieglar, selbst ein
Viehhändler Mendel konnte gewonnen werden, seine 10 Mark zu
spenden. Geld kam auch vom Männergesangverein, vom Theaterverein,
vom Rosenkranzverein, vom Paramentenverein, von der Jungfrauen-Kongregation
und von der Kevelaer-Bruderschaft. Bei der Spar- und Darlehnskasse
in Sieglar besorgte man ein Darlehen über 20.000 Mark, und
alle Vereinsmitglieder bürgten dafür. Der Bauunternehmer
Homberg bot kostenlos die Bauplanung und die Bauleitung an. Auch
die zahlreichen Eigenleistungen der Kapellen-Vereins-Mitglieder
halfen, die Baukosten niedrig zu halten. Der Bauplatz für die
Kapelle wurde von Johann Kurth gestiftet. Damit die Kapelle neben
der Schule, also genau zwischen Großkriegsdorf und Kleinkriegsdorf,
errichtet werden konnte, vereinbarte man einen Tausch: Der Landwirt
Johann Kurth schenkte damals dem Landwirt Ludwig Engels ein Grundstück,
und dieser schenkte seinerseits sein Grundstück Im Laach
zum Zwecke des kirchlichen Kapellenbaues der Zivilgemeinde
Kriegsdorf, nicht der Kirchengemeinde Sieglar. Inzwischen verhandelte
Bürgermeister Lindlau namens des Kapellenbau-Vereins mit dem
Erzbischöflichen Generalvikariat in Köln. Am 25. Juli
1907 schrieb er: Die Ortschaft Kriegsdorf mit 364 Einwohnern
(alle katholisch) gehört zur Pfarre Sieglar... es hat sich
hier ein Verein gebildet, der die Erbauung einer Kapelle bezweckt...
Die Baukosten sind fast zur Hälfte aufgebracht. Wir versichern,
daß die Pfarre Sieglar für die Verzinsung der Baukosten,
überhaupt zu irgend einer Leistung für die neue Kapelle,
nicht in Anspruch genommen werden soll. Ferner bitten wir um Zusage,
daß nach Fertigstellung der Kapelle in derselben Gottesdienst
abgehalten werden darf... Mit dem Bau könnte sofort begonnen
werden
Wollte man in Kriegsdorf ursprünglich im
Stil der Gotik bauen, wie in Sieglar, so einigte man sich mit Köln
auf einen einschiffigen neuromanischen Bau mit Chor und angebauter
Sakristei. Am 27. Januar 1908 schrieb Lindlau:... habe ich
mir erlaubt, dem Herrn General-Vikar am 20. ds. Mts. persönlich
den Nachweis zu führen, daß der Kapellenbau-Verein die
Mittel zum Bau der Kapelle im Betrag von 22.747,30 M in einem Sparguthaben
besitzt... Die bauliche Unterhaltung der Kapelle übernimmt
die Civilgemeinde Kriegsdorf, wofür ich mich hiermit verbürge...
Um die Zustimmung der kirchlichen Behörde zum Bau bitte ich
nochmals recht dringend, damit mit dem Bau der Kapelle begonnen
werden kann und die Erregung in der Gemeinde Kriegsdorf verschwindet...
Am 28. Januar kam die grundsätzliche Baugenehmigung aus Köln.
Der Bau
In Kriegsdorf machte man sich an die Arbeit. Als am 8. Juli 1908
die endgültige Baugenehmigung aus Köln eintraf, konnte
man sich schon auf die feierliche Grundsteinlegung am 12. Juli 1908
vorbereiten. In Köln holte man Fahnen und Transparente, aus
Spich kamen die Girlanden, Feldhüter Peter Engels kaufte in
Siegburg Böllerpulver, und Wilhelm Gehlen übernahm das
Schießen. Peter Lange mauerte den Grundstein ein, der Wirt
Quabeck lieferte für 7,25 Mark 25 Liter Freibier und 1 Liter
Branntwein für die Maurer. Homberg baute schlüsselfertig,
ohne Ziegelsteine, Sand, Betonkies und Fenster, zum Festpreis von
15.000 Mark; der Polier hatte einen Stundenlohn von 85 Pfennigen.
Die vielen Eigenleistungen nicht berechnet, mit preiswertem Baumaterial
- 1000 Ziegelsteine für 20 Mark - und mit allen Glasfenstern
für 320 Mark kam Kriegsdorf auf Baukosten von 20.057,88 Mark,
(1983 würden dies etwa 300.000 DM sein). Das sind rund 55 Mark
( ca. 797 DM ) je Einwohner oder 314 Mark ( ca. 4.553 DM) je Familie.
Nachdem das Gebäude fertig war, mußten die Inneneinrichtung
und all das beschafft werden, was zu einem katholischen Gotteshaus
und zur Feier des Gottesdienstes nun einmal gehört. Von den
Glocken bis zum Weihwasserkessel, vom Altar bis zum Beichtstuhl
war alles rechtzeitig bestellt und geliefert worden.
Pastor Birkle hat in seiner Chronik festgehalten, was davon einzelne
Mitglieder der Gemeinde zur Ausstattung der Kapelle gestiftet haben.
Nach einer Bauzeit von nicht ganz fünf Monaten ohne jeden Unfall
- beim Umbau der Sieglarer Kirche war ein Maurer tödlich verunglückt
- konnten die Kriegsdorfer voller Stolz und Freude die Einweihung
ihres Gotteshauses, (zu Ehren des heiligen Abtes Antonius) am 15.
November 1908 feiern. Dechant Otten weihte die Kapelle
in honorem Sancti Antonii Abbatis. An diesem Tage sang
das Hochamt in feierlicher Weise erstmalig der neugegründete
St. Cäcilien-Kirchenchor zu Kriegsdorf unter seinem
Dirigenten Weidenbrück.
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Die erste Krise
Die erste Krise kam schnell. Je näher das Weihnachtsfest 1908
kam, um so mehr munkelte man in Kriegsdorf, Pastor Paas werde seinen
Vikar an den Weihnachtsfeiertagen nicht nach Kriegsdorf schicken.
Der Gemeinderat von Kriegsdorf richtete am 5. Dezember 1908 in einem
Schreiben an Pfarrer Paas die Bitte, er möge gütigst gestatten,
daß ein auswärtiger Geistlicher in unserer Kapelle
Messe lesen darf, wenn die Pfarrgeistlichkeit hierzu nicht in der
Lage bzw. nicht bereit ist.
Am 16.12. 1908 fuhr Bürgermeister Lindlau nach Köln und
konnte die Sorgen der Kriegsdorfer dem Herrn Kardinal persönlich
vortragen. Mit Schreiben vom 18.12.1908 an den Dechanten Otten wurde
diesem mitgeteilt: Sr. Eminenz der hochwürdigste Kardinal
und Erzbischof wünschen, daß an allen Sonn- und Feiertagen
und einmal in der Woche in der Kapelle zu Kriegsdorf - und zwar
vom Vikar in Sieglar - eine Messe gehalten wird.
Lindlau schrieb am 20.12.1908 an den Herrn Antonius Kardinal Fischer
in Köln:... Nach der heutigen Verkündigung von der
Kanzel findet weder an den kommenden beiden Weihnachtsfeiertagen
noch an dem folgenden Sonntage in Kriegsdorf Gottesdienst statt.
Die Katholiken von Kriegsdorf sind also ohne ersichtlichen Grund
gezwungen, drei Tage hintereinander in der schlechtesten Jahreszeit
an ihrer Kapelle vorbei den weiten Weg zur Kirche nach Sieglar (40
Minuten) machen zu müssen... die Erbitterung in der Gemeinde
Kriegsdorf ist auf das höchste gestiegen; man ist allgemein
empört darüber, und es werden schon einzelne Stimmen laut,
welche den Austritt der ganzen Gemeinde Kriegsdorf aus der katholischen
Kirche das Wort reden... In dieser bedrängten Lage rufen wir
nochmals dringend die Hilfe Ew. Eminenz an... Namens und im Auftrage
des Gemeinderates der Gemeinde Kriegsdorf: Lindlau, Bürgermeister.
Der General-Vikar schrieb am 23.12.1908 an Herrn Pfarrer Paas: Seine
Em. der hochwürdigste Herr Kardinal u. Erzbischof haben angeordnet,
daß... Ew. Hochwürden werden von Sr. Eminenz beauftragt,
die nötige Anordnung schon für Weihnachten und die folgenden
Tage zu treffen... Nachdem in Oberlar (1167 Seelen mit 239 Schulkindern)
die neue Kirche eingeweiht worden war, mußten Pfarrer Paas
und sein Vikar auch dort den Gottesdienst übernehmen. In Kriegsdorf
(367 Seelen mit 61 Schulkindern) erreichte man beim Generalvikariat,
daß ab 5. September 1909 der Herr Rektor Lenaerts in Uckendorf
beauftragt wurde, die Messe zu lesen; durch eine Panne wurde Pfarrer
Paas erst am 25. September davon offiziell unterrichtet, inoffiziell
von einem Milchkutscher. Nach einem weiteren Briefwechsel, Pfarrer
Paas beschwerte sich beim Bischof über Rektor Lenaerts, der
Dechant führte die Untersuchungen durch, wurde Rektor Lenaerts
zwar scharf gerügt, durfte aber in Kriegsdorf vor der Messe
Beichte hören; ohne Erlaubnis von Pfarrer Paas durfte der Herr
Rektor jedoch kein feierliches Hochamt mehr halten. Die nächste
Verhandlungsrunde eröffnete der Kriegsdorfer Kirchenchor am
20. März 1910 in einem Schreiben an das Generalvikariat in
Köln.
Man probe fleißig jeden Sonntag und jeden Donnerstag. Nun
aber dürfe in Kriegsdorf kein feierliches Hochamt mehr gefeiert
werden, und damit habe man keine Gelegenheit mehr, als Kirchenchor
tätig zu werden. Der Chor sei in seiner Existenz gefährdet.
Das Generalvikariat möge doch erlauben, daß hier an allen
Feiertagen ein Hochamt gefeiert werden dürfe. Bemerkenswert
ist in diesem Schreiben noch, daß man damals in Kriegsdorf
meinte, erster Patron der Kapelle sei der hl. Antonius von Padua,
zweiter Patron der hl. Abt, Antonius der Einsiedler. In seiner Stellungnahme
vom 24. März schreibt Pfarrer Paas: . . .Es ist mir unerklärlich,
daß die Kriegsdorfer trotz des gezeigten Entgegenkommens in
der Opposition verharren; denn nach wie vor werden die Kinder an
Sonntagnachmittagen selbst bei schönstem Wetter nicht zur Christenlehre
geschickt... Bis jetzt ist keine Erlaubnis zu Hochämtern erteilt
worden... Schon am 25. März 1910 erteilte das Generalvikariat
dem Herrn Rektor Lenaerts die Genehmigung, an bestimmten Feiertagen
in Kriegsdorf ein Hochamt mit Segen halten zu dürfen; Abschrift
zur Kenntnisnahme an Herrn Paas Hochwürden in Sieglar.
So mußte in den ersten Jahren Schritt für Schritt ein
bißchen Unabhängigkeit von der Pfarrkirche in Sieglar
und etwas an Selbständigkeit erstritten werden. In den späteren
Jahren durfte man in Kriegsdorf sogar Kirchenbücher anlegen,
in denen Taufen, Trauungen und Sterbefälle eingetragen wurden.
Manchmal nannte sich der Kapellenvorstand auch schon mal Kirchenvorstand.
Die Finanzkrise
Die Kriegsdorfer mußten nun ihre Schulden abbezahlen. Man
kann sich heute kaum vorstellen, wie schwer es damals einer Familie
mit einer kleinen Landwirtschaft und vielen Kindern fiel, Monat
für Monat zwei Mark für den Kapellenbau-Verein zu geben.
Damals zahlte die Mehrheit der Männer in Kriegsdorf nicht einmal
die sechs Mark im Jahr an Steuern, durch die sie an den Wahlen teilnehmen
konnten. Durch zusätzliche Sammlungen in jedem Haushalt, durch
die Verpachtung der Kirchenbänke, durch Spenden wie die des
Johann Henseler, der dem Kapellenbau-Verein zwei Grundstücke
in Eschmar schenkte, wollte man von den hohen Schulden herunterkommen.
Die Einnahmen aus den Aufführungen des Theatervereins Kriegsdorf
kamen dem Konto der Kapelle zugute. Beliebt waren, als frühe
Vorläufer der heutigen Pfarrfeste, Tanzveranstaltungen mit
Konzert zur Ehre Gottes. Dechant Otten schrieb mißbilligend:
Fast jeden Sonntag konzertierte Tanzvergnügungen. Es
ist ein rechter Jammer. Bürgermeister Lindlau bemühte
sich vergeblich um eine Haussammlung innerhalb der Rheinprovinz
vom Saarland bis zum Ruhrgebiet oder um eine Kirchensammlung in
dem Erzbistum Köln. In einem Brief an das General-Vikariat
in Köln schildert Lindlau die Lage:
50% Kirchensteuer von d. Einkommensteuer = 457,80 M,
10% Kirchensteuer von d. Grund- u. Gebäudesteuer = 146,- M,
für die Mutterpfarre in Sieglar und für die Kapelle 1093
Mark müssen die Kriegsdorfer zahlen...
In dieser traurigen Lage wage ich es, namens meiner Kriegsdorfer
Mitbürger die Bitte auszusprechen, zu den Kosten der Kapelle
einen jährlichen Beitrag hochgeneigtest bewilligen zu wollen..
Nach einer vernichtenden Stellungnahme des Dechanten lehnte Köln
dies ab. Der Kirchenvorstand in Sieglar weigerte sich am 19. Juli
1914, den Kriegsdorfern die Kirchensteuer zu erlassen. Der Rendant
P.J. Zimmermann aus Kriegsdorf schrieb am 26. Januar 1915 ein Gesuch
an das Generalvikariat. Die Antwort: Aber
so erwidern
wir, daß wir den Kirchenvorstand nicht zwingen können,
wenn er von seinem Rechte Gebrauch macht. Die Kriegsdorfer
mußten Pfennig um Pfennig ihre Schulden bezahlen, und sie
haben sie bezahlt;
schon 1920 war man schuldenfrei.
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